Zu meinem Dienst als Pfarrer in einer Reihe von Dörfern gehören natürlich auch Trauergottesdienste für verstorbene Gemeindeglieder. Neben den Angehörigen sind es dann viele Menschen aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, die die Bankreihen der jeweiligen Kirche füllen. Sie kommen, um Anteil zu nehmen am Ergehen der engsten Angehörigen, aber auch um die Verkündigung des Evangeliums in dieser besonderen Situation zu hören, für die Angehörigen mitzubeten und in tröstende Glaubenslieder mit einzustimmen.

Ich bin also jemand, der mit dem Sterben mehr als andere Menschen konfrontiert ist. Dennoch befällt auch  mich bei jeder Todesnachricht Betroffenheit. Man gewöhnt sich nicht daran, dass Menschen, die zum eigenen Leben dazugehörten, plötzlich nicht mehr da sind.

Kürzlich erreichte mich eine Nachricht, die mich auf doppelte Weise berührte. Ein Mann, der dafür bekannt war, dass er überall half, wo es ihm nur möglich war, starb 62-jährig. Da die nötigen Mittel für eine Trauerfeier nicht da waren -seine Hilfsbereitschaft hatte er sich in den meisten Fällen nicht bezahlen lassen - war für ihn nur ein einfachstes Begräbnis ohne jegliches Gedenken vorgesehen.

Solche schlichten Beerdigungen, so hörte ich, würde es jetzt öfter geben, allerdings eher in den Städten als in den Dörfern. In dem geschilderten Falle gab es  Möglichkeiten zu helfen. Der Mann, der so vielen anderen bereitwillig geholfen hatte, bekam eine würdige Trauerfeier. Sie wurde von Freunden gestaltet, die Christen sind. Viele Menschen nahmen an ihr teil. Mancher kam ins Nachdenken:  Wie war es möglich, dass hier für jemanden ein Gottesdienst gefeiert wurde, der mit Kirche kaum etwas zu tun hatte? Was mich berührte, war die Dankbarkeit, die allenthalben zu spüren war.

„Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist“, hat der große Theologe Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis formuliert, in dem er zur Zeit der Nazidiktatur auf seine Verurteilung wartete. Christus selbst ist nur in seinem Dasein für die Menschen aller Zeiten zu verstehen, nicht nur für die Gläubigen, sondern auch für die anderen. Das ist das große Thema der Passionszeit, die wir Christen derzeit begehen. Als seinen Nachfolgern ist es deshalb unser Auftrag, stets  danach zu fragen, wo wir gebraucht werden, nicht um den Dank dafür zu bekommen, sondern um in unserem Tun ein Stück von dem aufleuchten zu lassen, was Christus für uns getan hat.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine gesegnete Passionszeit!

Ihr Pfarrer Berthold Schirge