Heilig-Geist-Kirche

Chronik der Heilig-Geist-Kirche Wittstock

  • ca. 1300 - erbaut als kreuzgewölbter Backsteinbau mit 2 gleich hohen Schiffen
  • dient im Mittelalter den Kaufleuten und Reisenden als Andachtskirche
  • vor 1400 - Bau eines Turmes mit einem einfachen Spitzhelm
  • am 8. September 1549 - wird hier zum ersten Mal das Abendmahl in beiderlei Gestalt (evangelische Weise) durch den ehemaligen Franziskanermönch Jakob Schünemann aus Kyritz gereicht
  • 25.09.1553 - 1. Evangelische Predigt von Pfarrer Liest
  • 1704 - Blitzschlag in den Turm, der völlig ausbrannte
  • 1716 - Stadtbrand verwüstet die Kirche, das Kreuzgewölbe stürzte wahrscheinlich ein
  • 1729/1731 - Neuaufbau der Kirche ohne Gewölbe, der Turm erhält seine heutige Form
  • 1731 - feierliche Einweihung der rekonstruierten Kirche
  • 1732/1733 - Errichtung eines neuen achteckigen Turmdaches mit Laterne, Helm und Knopf
  • 09.04.1733 - im Knopf wird eine Denkschrift hinterlegt, welche im Laufe der Zeit vermodert
  • 1825 - Ausbesserung des Knopfes; es wird eine vermoderte Büchse aus dem Jahre 1733 gefunden
  • 24.06.1825 - Hinterlegung der Schatulle "1825" mit der Abschrift der Denkschrift aus der St. Marienkirche und dem Rathaus
  • 16.08.1851 - Hinterlegung der Schatulle "C. Fleischhacker, Klempnermeister, 16.08.1851" mit der Abschrift der Urkunde vom 09.04.1733
  • 1957 - werden barocke Elemente wie Altar, Seitenchöre und Bänke entfernt
  • 13.06. 1981 - Abbau des Knopfes während des Abrisses der Schindeleindeckung des Turmes, Auffinden der 2 Schatullen von 1825 und 1851
  • Juni 1981 - Kupfereindeckung des Kirchturmes
  • 04.07.1981 - Bestückung des Knopfes mit 10 Münzen (DDR und BRD), 3 Fotos vom 13.06.81, der Denkschrift des Superintendenten Zellmer in einer neuen Schatulle, dazu die alten 2 Schatullen
  • 1996 - wird die Kirche nach gründlicher Renovierung Mittelpunkt des Gemeindezentrums "Heilig Geist"

Die Orgeln in der Heilig-Geist-Kirche

Die 1. Orgel wurde 1888 von Friedrich Hermann Lütkemüller erbaut. Auf Grund des Umbaus der Heilig-Geist-Kirche wurde die Orgel abgetragen und in Gadow aufgebaut durch Kantor Karl Herrmann. Der Bau der 2. Orgel erfolgte im Jahre 1965 durch Hans-Joachim Schuke/Potsdam.

  • 2 Manuale (Hauptwerk, Oberwerk)
  • 1 Pedal
  • Registerzahl: 13
  • Mechanische Traktur, Schleiflade
  • Orgelweihe: 7. November 1965
  • Anzahl der Pfeifen: 818
  • Prospektfelder: 5 = 35 Prospektpfeifen

St.-Marien-Kirche

Als Wahrzeichen der Stadt und des umliegenden Gebietes bestimmt die St.-Marien-Kirche mit ihrem fast 65 m hohen Turm das Panorama. Ursprünglich war sie dem Heiligen Martin geweiht. Mitte des 15. Jahrhunderts erfuhr sie die Umbenennung in St.-Marien-Kirche. Sie ist heute eine dreischiffige, kreuzrippengewölbte gotische Backsteinhallenkirche mit geradem Ostgiebel in einer äußeren Gesamtlänge von 64 m, einer Breite des Kirchenschiffes von 23 m und einer Innenhöhe von 14 m. Mehrere Bauphasen sind im Verlauf ihrer über siebenhundertjährigen Geschichte auszumachen. Eine Urkunde über den Baubeginn des auffallend großen Gebäudes liegt nicht vor. Es wird vermutet, dass mit der Stadtgründung um 1230 auch mit dem Bau der Kirche begonnen wurde.

Aufgrund des schnell aufstrebenden Handels und Handwerks entwickelte sich sehr bald eine wirtschaftliche Blüte mit einem wohlhabenden Bürgertum. So wird zu erklären sein, dass die Kirche wohl schon in ihrer ursprünglichen Konzeption als eine dreischiffige Hallenkirche angelegt war. Das etwas überstehende, gewaltige Westwerk jedenfalls deutet auf eine solche Anlage hin. Bereits am 28. August 1275 wird unter Bischof Heinrich II. die Pfarrkirche in das Domkapitel zu Havelberg aufgenommen.

Der Kirchenturm

An der Westseite des Turmes, teilweise auch nord- und südseitig, fallen sofort die übererdigen sieben Schichten sauber behauener Granitfeldsteine in Quaderform bis zu einer Höhe von etwa 1,80 m mit einer umlaufenden, doppelt abgeschrägten Plinthe auf. Die Mauerstärke des Turmes beträgt an allen Seiten annähernd vier Meter. Genau wie die später errichteten Nord- und Südportale ist das Turmportal in seinem mehrfach abgestuften Gewände mit dunkelfarbigen, glasierten Rund- und Profilstäben in Spitzbogenform ausgestattet.

Der Turmeingang ist ebenerdig mit dem Fußboden des Kirchenschiffes und läßt wohl die ursprüngliche Bodenhöhe erkennen. Die beiden Treppenzugänge im Turm führen zur Orgel- sowie zur Nord- und Südempore. 

Der Turm ist vom Innern des nördlichen Kirchenschiffs und von außen an der Südseite des Westwerks über je eine enge, steinerne Wendeltreppe erreichbar, die sich unter dem Glockenstuhl in einer freien einfachen Holztreppe fortsetzt (insgesamt 195 Stufen).

Die Orgel in der St.-Marien-Kirche Wittstock

Die Orgel der St.-Marien-Kirche zu Wittstock entstand 1846 als Meisterwerk des auch hier ansässigen Orgelbauers Friedrich Herrmann Lütkemüller. Die Orgel hat im 20. Jahrhundert mehrere entscheidende Eingriffe erfahren, so daß sie heute nicht mehr als Lütkemüllerorgel bezeichnet werden kann. Ihr wunderschöner neogotischer Prospekt wurde aber nicht angetastet, wodurch das historische Ensemble von Orgel, Empore und Kirchengestühl, mit welchem im selben Jahr der Kirchraum ausgestattet wurde, ungestört blieb. Die Barockisierung im Zuge der Orgelbewegung in den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch die Firma Schuke (Potsdam) und die Einrichtung eines elektrischen Spieltisches, der den Gebrauch einer Crescendowalze und zahlreicher Spielhilfen erlaubt, lassen die Interpretation der gesamten Orgelliteratur von der Renaissance bis zur Moderne zu.

Im Jahre 2002 konnte das Instrument generalüberholt werden. Wenngleich zum Kummer der Organologen Lütkemüllers Meisterwerk nicht mehr in seiner Originalgestalt bewundert werden kann, so muß man zur Freude aller heute an diesem Instrument Musiziernden betonen, daß wir es nunmehr mit einem hervorragenden Konzertinstrument zu tun haben. Das Instrument besitzt 45 klingende Stimmen, die sich auf drei Manuale und Pedal verteilen. Der Jalousieschweller und 7 Zungenstimmen befähigen das Instrument zur Darstellung der französischen Orgelliteratur. Mit der erwähnten Crescendowalze werden die großen symphonischen Werke des 19. Jahrhunderts, wie zum Beispiel jene Max Regers spielbar. Dies wird auch in zahlreichen Orgelkonzerten, die während der Sommermonate in der St.-Marien-Kirche veranstaltet werden, ausgiebig getan. Gastorganisten sind immer wieder begeistert von dem majestätischen Klang des Instruments und seiner kombinatorischen Vielfalt. Wir erleben hier Musik, die man erst wieder in Berlin, Rostock oder Lübeck zu hören bekommt. Damit tragen die Orgelkonzerte entscheidend zu einem Musikleben auf höchstem Niveau in unserer Stadt bei. Eine Beschädigung der instandgesetzten Orgel infolge baulicher Mängel am Kirchengebäude wäre neben dem hohen materiellen Schaden auch ein hoher kultureller Verlust.

Offene Kirche - Besichtigung und Andacht

Die St. Marien Kirche ist in den Sommermonaten täglich für Sie geöffnet!

Mai und Oktober 10 - 16 Uhr
Juni und September 10 - 17 Uhr
Juli und August 10 - 18 Uhr

Der Besuch ist kostenlos. Für die Turmbesteigung zahlen Erwachsene 2 Euro und Kinder 1 Euro.
Änderungen der Öffnungszeiten erfragen Sie bitte im Gemeindebüro.

Kirche Biesen

Lt. „Bau- und Kunstdenkmale“: Das Gotteshaus stammt aus dem 18. Jhdt. 1707 erbaut als rechteckiger Putzbau, bis 1925 mit einem Fachwerkturm versehen. Da baufällig, abgerissen und 1927 wurde der 20 m hohe Westturm mit sich schnell verjüngendem Doppeldach, mit Ziegel im Klosterformat, ganz im Stile der alten Kirche errichtet, sowie das Gotteshaus mit viel Liebe erneuert. Wie Umdecken des Kirchendaches, Erneuerung aller Fenster (mit Bleiverglasung) sowie der Orgel, eine neue Glocke und Anstrich im Inneren der Kirche.

Das Innere mit kassettierter Holzdecke wurde mit den übrigen Einbauten farbig neu gefasst. Dreiseitige Empore mit Orgel barock, Kelch mit Patene, Silber vergoldet. 1722 Sechspassfuß und Schaft reich ornamentiert. Walzenkrug, Zinn 18. Jhdt. – Taufschale, Messing, 17. Jhdt. Glocke 1696 datiert... 

Von den ehemals drei Bronzeglocken wurde die mittlere behalten, die anderen wurden Opfer des Krieges. Die erhalten gebliebene stammte aus dem Jahr 1508 und besaß Denkmalswert. Durchmesser 0,77 m.  Gern hätte man den Dreiklang der Glocken erneuert aber eine neue konnte man sich nur erlauben. Gegossen von der Firma Ohlsen in Lübeck. Als Inschrift steht auf der einen Seite: „Ein feste Burg ist unser Gott“. An der anderen Seite steht, dass die alte Glocke 1918 ein Opfer des Krieges wurde und die neue 1927 erstand. 

Biesen: einst auch „Bysen“ 1352, „Besem“ 1417, „Beseme 1540, „Beesem“ 1691 genannt und auch „Biesem“ und seit Mitte des 18. Jh. nun Biesen, war ehemals ein altes bischöfliches Dorf. Nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) ist die dortige selbständige Pfarre eingegangen. Die kirchliche Versorgung wurde nun über Wittstock abgesichert. 1913/14 bot die Kirche keinen schönen Anblick:

Ein massives im Barock gebautes Kirchenschiff, an der Westseite einen als einfachen, das Kirchenschiff nur wenig überragenden, Fachwerk-Kirchturm, obendrein recht baufällig. Früher behalf man sich, indem man die verwitterten Balken verschalte, aber auch diese Schalbretter wurden bald Opfer der Witterung, einige Fächer drohten herauszufallen. Was blieb, polizeiliche Schließung des Turmes oder besser Abriss und Neubau des Turmes und Erneuerung der Kirche. Als alles soweit war, brach der 1. Weltkrieg aus und die Inflation kam dazu. Ende 1926 war es dann doch soweit. Über Nacht entschloss man sich, auch auf Grund der großen Arbeitslosigkeit zu diesem Zeitpunkt, zum Abriss des Turmes, so plötzlich, dass es nicht einmal mehr zu einer letzten Bildaufnahme der Kirche kam.

Die Treppen zu den Emporen wurden verlegt, dadurch wurde ein freier Überblick über die ganze Kirche gewonnen (Meister Fülster aus Biesen). Die Orgel, derer nahm sich die Firma Schuke aus Potsdam an. Wegen Geldmangel unterblieb der Einbau eines Pedals sowie neuer Register. Der Kunstmaler Thol aus Berlin löste glänzend die gestellte Aufgabe der farbenfrohen Ausmalung der Kirche. Die Wände sind mattgelb gehalten, das Gestühl hat einen stumpfen, grau-blauen Ton bekommen, diese Grundfarbe finden wir bei den Emporen wieder, die von braunen Säulen getragen sind. Die schmalen Vorderseiten zeigen Blumenschmuck. An der nach innen gekehrten Längsseite sehen wir in der Mitte zwei kleine Gemälde, die übrigen Felder tragen Bibelsprüche und geleiten den Beschauer durch das ganze Leben.

Kirche Wernikow

Diese Dorfkirche wurde als ein Saalbau aus Feldsteinen in der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet. Im Zuge erster Sanierungsmaßnahmen kam es zu einem Aufsehen erregenden Fund. In dem Reliquiengrab in einer Nische des alten Altarblocks wurde ein Reliquiar mit Stoffresten und einem Knochenstück sowie das Weihesiegel von Bischof Heinrich I. von Kerkow (1244/54 – 1271/72) entdeckt.

Mit Hilfe dieser Altarbeigaben konnte der Bau der Kirche auf ca. 1250 datiert werden. Es handelt sich demzufolge um die älteste bekannte Feldsteinkirche der historischen Prignitz und einem außergewöhnlichen Beispiel sakraler Baukultur aus dem Mittelalter. Darüber hinaus haben wir es mit dem ältesten Reliquienfund in der nordostdeutschen Kirchenlandschaft zu tun. Bereits 1969 wurde das Reliquiengrab durch den damaligen Gemeindepfarrer geöffnet. Im Verborgenen fügte er den Beigaben ein beschriebenes Pergament mit Münzen aus beiden deutschen Staaten sowie einen zerbrochenen eiförmigen Stein hinzu. Damit brachte er symbolisch seine Hoffnung auf Wiedervereinigung für nachfolgende Generationen zum Ausdruck!

In über 750 Jahren erlebte die Kirche in sechs Bauphasen Prägungen aus mehreren Jahrhunderten Baugeschichte. Der noch unsanierte Innenraum zeigt unter anderem eine wertvolle Ausstattung aus der Renaissancezeit und einen barocken Altar. Die „Initiative Kirche Wernikow“ engagiert sich seit einigen Jahren für die Instandsetzung dieses Kirchendenkmals. So gelangen die Wiedererrichtung der Kirchturmspitze, die Sanierung der Kirchturmmauer und der Dächer. Zurzeit arbeitet die Initiativgruppe an weiteren notwenigen Maßnahmen wie der Innensanierung und einer Ausstellung über die Bedeutung und Geschichte dieser Kirche.