Monatsspruch Mai

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1.Petr 4,10 (E)

anGedacht April/ Mai 2020

Das 8. Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

 

Der Wert der Aufrichtigkeit

Im alten Israel war der wichtigste Platz das Tor – das Tor in der Mauer, die das Dorf oder die Stadt umgab. Nicht, weil das Tor für die Menschen buchstäblich das Tor zur Welt war, weil sich hier die Binnenwelt von Dorf und Stadt und die große weite Welt draußen begegneten; hier Fremde zu bestaunen und Neuigkeiten zu erfahren waren. Der Grund war ein anderer: Im Tor, d.h. im Torraum, in dem umbauten Raum unter dem Tor in der Mauer wurde Recht gesprochen. Es gab noch keine Gerichtsgebäude. Deshalb kamen hier im Tor bei Bedarf, im Konfliktfall die Ältesten des Gemeinwesens zusammen, hörten sich an, was Kläger und Beklagte vorzubringen hatten und befragten mögliche Zeugen. Fällten schließlich nach gründlicher Beratung und unter Beachtung der Gebote ihr Urteil.

In diese Situation hinein mahnt das achte Gebot: ‚Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.‘ Denn Zeugen haben in einem Konfliktfall großen Einfluss und viel Macht. Von ihrer Aussage hängt oft die Zukunft von Menschen ab. Deshalb können sie mit ihren Worten nicht vorsichtig genug umgehen. Und die Zeugen im Tor reden öffentlich. Viele bekommen mit, was sie sagen. Das erfordert eine vorsichtige Wortwahl. Sie sollte sachlich und klar, so eindeutig wie möglich sein. Denn je undeutlicher eine Aussage ist, umso schneller wird sie verändert, verdreht, verfälscht weitererzählt. Denken sie an das ‚Stille Post Spiel‘!

Die Bedeutung des Achten Gebots reicht jedoch weit über die altisraelitische Gerichtsszene im Tor hinaus. Es geht im Grunde um die Frage: Wie und was rede ich überhaupt über andere Menschen?

Die Bibel weiß um die Macht der Worte: ‚Tod und Leben sind in der Gewalt der Zunge‘, heißt es in den Sprüchen Salomos (18,21). Mit unseren Worten benennen wir Menschen und Dinge. Schon das ist ein Akt der Machtausübung. Denn mit den Namen, die wir für sie wählen, bezeichnen wir sie, prägen wir ihr Bild, ihr Verständnis. Und mit allem, was wir sonst noch über sie sagen auch.

Manche reden deshalb lieber gar nicht und zitieren den Volksmund: ‚Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.‘ Das ist manchmal goldrichtig – manchmal aber auch nicht. Ja, wir sagen oft Dinge, die besser nicht gesagt worden wären. Und meistens merken wir es auch sofort – aber wenn die Worte einmal heraus sind, sind sie nicht mehr zurückzunehmen. Dann ist manchmal nur noch Schadensbegrenzung möglich: ein Widerruf, eine ehrliche Entschuldigung. Aber dann liegt es nicht mehr in unserer Macht, wie der andere reagiert. Ob er vergibt und vergisst. Oder ob sich die verletzenden Worte ablagern werden auf seiner Seele. Aber es kommt auch vor, dass wir das entscheidende Wort im richtigen Moment nicht finden – oder es zwar wüssten, aber nicht zu sagen wagen. Früher war ich verletzt, wenn ich gehänselt wurde, und meine beste Freundin nicht Partei für mich ergriff, weil sie es sich mit den Leitfiguren der Klasse nicht verscherzen wollte. Heut mache ich mir selber Vorwürfe, wenn es mir nicht gelingt, jemanden, der eine ausländerfeindliche Bemerkung macht, spontan und schlagfertig zurechtzuweisen. Gar nichts sagen, zu schweigen – das ist nicht immer die beste Lösung.

Auch deshalb, weil wir uns über Worte und Gespräche miteinander verbinden. Dadurch, dass wir sagen, was wir denken, wünschen, fühlen, befürchten, hoffen, werden wir füreinander erkennbar. Wir bieten Anknüpfungspunkte, wir knüpfen uns hinein in ein Netz von Beziehungen. Auch in das Netzwerk einer Gemeinschaft wie zum Beispiel unserer Gemeinde.

Menschen, die nicht viel sprechen, wirken manchmal verschlossen. Man beginnt zu spekulieren: Sind sie nur schüchtern? Stille Wasser – oder haben sie etwas zu verbergen? Wollen Sie keinen Kontakt? Oder trauen sie sich nur nicht und warten darauf, dass ich mit meinen Worten eine Brücke baue? Worte können aufbauen und einreißen, Leben schaffen und zerstören. ‚Erbarm dich, Herr, meiner Leere. Schenk mir das Wort, das eine Welt erschafft‘, dichtet und betet Rose Ausländer.  Ja, wenn wir so reden könnten – dass durch unsere Worte Neues erschaffen wird, Räume geöffnet werden, Leben aufblüht. Wie alle Gebote, so zielt auch dieses darauf, dass Gottes Shalom - Friede im umfassenden Sinn - sich ausbreiten kann, eine Welt, in der Menschen gerecht und friedlich zusammenleben können. Unsere Worte breiten diesen Shalom aus oder verhindern ihn. ‚Die heile Zunge ist ein Lebensbaum, ihre Falschheit ist Zusammenbruch.‘ (Sprüche Salomos 15.4) Nicht, dass geredet wird, ist also das Problem, sondern wie! Vor allem, wenn es um andere Menschen und ihr Leben geht. Es ist ein wesentlicher, schwerwiegender Unterschied, ob ein Thema, eine Sache oder über einen Menschen gesprochen wird. Auch einer Sache, einem Anliegen können meine Worte schaden. Ich kann eine Sache mit Worten zerreden, einem wertvollen Anliegen durch unbedachtes, langweiliges, abwertendes Gerede schaden. Aber einem Menschen schadet solches Reden nicht nur, ich tue damit weh. Ich verursache Schmerzen. Unter Umständen bis zum Rufmord.

Deshalb das Gebot: ‚Du sollst nicht lügen.‘ Du sollst die Wahrheit sagen.‘ Das Gebot hat ausdrücklich meinen Nächsten im Blick. Ihn oder sie schätzt es vor meine falschen Worte. Und meine Nächsten, die muss ich gar nicht persönlich kennen. Das können auch ‚die Flüchtlinge‘, ‚die Muslime‘ sein, ‚die Sinti und Roma‘, eine ganze Volksgruppe, oder eine Minderheit, über die ich verächtliche und voller Vorurteile rede?!

Gibt es eine Orientierungshilfe, um zu unterscheiden, was gesagt werden darf oder sogar muss und was nicht? Ich denke schon. Wie wäre es, wenn wir uns in Zukunft, bevor wir selber über andere reden und bevor wir anderen dabei bereitwillig zuhören, die Frage stellen: Warum sage ich, was ich sagen will? Oder: Warum sagt der andere, was er sagt? Ist es der Wunsch, zu verstehen, zu entschuldigen, zu versöhnen, zu heilen? Eine erlittene Verletzung vergeben, eine gerechte Lösung finden wollen? Oder ist es die allzu menschliche Regung, den anderen kleinzumachen? Selber ein bißchen strahlender dazustehen, indem wir den dunklen Fleck auf seiner Weste deutlich herausstellen? Wenn man genau hinhört, spürt man immer, was das eigentliche Motiv – Anliegen ist. Egal, ob voller Absicht und Berechnung, oder aus Hilflosigkeit und Unüberlegtheit. Manchmal merkt man es schon an der Situation, die jemand für seine Worte wählt: Ist es ein geschützter Raum? Sucht er sich gezielt verantwortungsvolle Vertrauenspersonen als Gesprächspartner aus? Wird Diskretion vereinbart? Wird nach heilsamen, praktischen Schritten gefragt und verabredet, wer sie wann tut? Oder streut jemand offensichtlich nur unangenehme Wahrheiten über Dritte möglichst breit aus, um den Konflikt anzuheizen, um zu schaden – ohne dass der Wunsch zu lösen und zu heilen spürbar ist? Eine gute Frage an uns selbst so zusagen ein Testballon für unsere eigenen Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, ist auch diese: Würde ich das, was ich gerade über jemand anderen erzählen will, am liebsten ihm oder ihr selber sagen? Und werde ich das auch baldmöglichst tatsächlich tun? Wenn nicht, ist es meistens besser, jetzt und hier auch zu schweigen.

Von Platon ist die folgende Anekdote überliefert: Aufgeregt kam einst einer zum weise Sokrates gelaufen. ‚Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund….‘ – ‚Halt ein!‘, unterbrach ihn der Weise. ‚Hast du das, was du mir sagen willst, auch durch die drei Siebe gesiebt?‘ – ‚Drei Siebe?‘, fragte der andere verwundert. ‚Ja, drei Siebe. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?‘ – ‚Nein, ich hörte es erzählen, und….‘ – ‚So, aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft; das ist die Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, wenn schon nicht als wahr erwiesen, so doch wenigstens gut?‘ – ‚Nein, das nicht, im Gegenteil.‘ Der Weise unterbrach ihn: ‚Lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden und fragen, ob es notwendig ist, mir zu erzählen, was dich so aufregt.‘ – ‚Notwendig nun gerade nicht.‘ – ‚Also‘, lächelte der Weise, ‚ wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass, es begraben sein, belaste dich und mich nicht damit.‘

Vielleicht kann man es nicht besser zusammenfassen, worauf es ankommt, als Martin Luther es einmal gesagt hat: ‚Eine friedsame, heilsame Zunge, die niemandem schadet und jedermann frommt (guttut), die die Uneinigen versöhnt und die Verlästerten entschuldigt und verficht (für sie eintritt), das ist die Wahrheit und Einfältigkeit in Worten.‘

Ich lade Sie ein, sich anspornen zu lassen, das Gebot immer wieder mal ‚auf der Zunge zergehen zu lassen!‘

 

Ihre Rose Möllhoff-Mylius, Pfrn.

Gemeindeblatt

Lesen Sie hier die aktuellen Gemeindeblätter unserer Gesamtkirchengemeinde Temnitz mit dem Monatsspruch, Terminen, Veranstaltungen und Gottesdiensten.

Treffpunkte

Kirchenchor Temnitz

Die Chorproben finden jeweils am 2. und 4. Montag im Monat um 20.00 Uhr im Pfarrhaus Walsleben statt. (Ausser in den Ferien)

Kontakt: Harald Bölk 033920 / 695 02

Bläserchor Temnitz

Die Bläserchor-Proben finden jeden Dienstag um 18.30 Uhr im Pfarrhaus Walsleben statt. Der Bläserchor wünscht sich Verstärkung, ein Instrument kann gegebenenfalls gestellt werden.
Kontakt: Michael Lentz 033920/69216

Frauen- und Gesprächskreise

immer um 14 Uhr

Dabergotz: jeden 2. Mittwoch im Monat in der Winterkirche
Kontakt: Frau Krebs

Frankendorf: nach Vereinbarung (meist am 3. Donnerstag im Monat) Alte Schule
Kontakt: Frau Biohn 033924/70240

Katerbow: nach Vereinbarung (meist am 2. oder 3. Dienstag im Monat) in der Winterkirche
Kontakt: Frau Gentikow 033924/70260

Rägelin: bei Frau Nieradt
Kontakt: Frau Nieradt 033924/70135 & Frau Rensch 033924/70118

Walsleben: jeden letzten Donnerstag im Monat im Pfarrhaus
Ansprechpartnerin: Frau Leck 033920/ 69519

Wildberg (Kerzlin): jeden 2. Mittwoch im Monat in der Winterkirche
Kontakt: Frau Jaap 033928/70525 & Frau Speck

Gemeindekirchenrat

Der Gemeindekirchenrat der Gesamtkirchengemeinde Temnitz

Der Gemeindekirchenrat Temnitz setzt sich aus jeweils zwei Vertretern (gewähltes Mitglied und Stellvertreter) der einzelnen Ortskirchen zusammen. Stimmberechtigt in den Sitzungen sind jeweils nur die Mitglieder. Bei deren Abwesenheit ist automatisch der betreffende Stellvertreter stimmberechtigt. Des Weiteren haben selbstverständlich die hauptamtlich in der GKG tätigen PfarrerInnen eine Stimmberechtigung. Die Beratungen werden grundsätzlich von den gewählten Mitgliedern und den Stellvertretern in gemeinsamer Runde durchgeführt.

Der GKR Temnitz setzt sich aus folgenden Personen zusammen:

Mitglieder Gemeindekirchenrat

Walsleben-Kränzlin: Uwe Drößler
Stellvertreter: Joachim Pritzkow
Temnitzpark: Monika Pein
Stellvertreter: Annette Wisch
Kerzlin-Wildberg: Ulrich Jaap
Stellvertreter: Heidi Ackermann
Temnitzquell: Frank-Arnim Pein
Stellvertreter: Ines Sattelmair
Manker-Temnitztal: nicht besetzt


Vorsitzender
Stellvertreter:

Weitere Mitglieder des GKR (ohne derzeitiges Stimmrecht) sind:

  • Dorothea Plath (Katechetin)
  • Matthias Puppe (Superintendent)
  • Pfarrerin Christiane Schulz (Geschäftsführerin ESTAruppin e.V.)
  • Roswitha Döring (Regionalakademie)

Aufgaben des Gemeindekirchenrates

„Die Leitung der Kirchengemeinde obliegt dem Gemeindekirchenrat. (…) Unbeschadet des besonderen Auftrages, den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung haben, nimmt der Gemeindekirchenrat die Verantwortung der Kirchengemeinde für die schriftgemäße Verkündigung des Evangeliums wahr. Er berät regelmäßig die Situation der Kirchengemeinde, plant ihre Arbeit, sorgt für deren Durchführung und achtet auf gegenseitige Information in der Kirchengemeinde.“ beschreibt die Grundordnung der Landeskirche die Aufgaben der Gemeindekirchenräte. 

Wann sich die einzelnen Gremien treffen, erfahren Sie im Gemeindeblatt.