St. Martin - Bischof

Meditativer Text

Halt! Bevor Sie gehen: Wahrscheinlich stand ich Ihnen schon zu Beginn im Weg. Aber es lohnt sich, noch einmal inne zu halten und mich genau unter die Lupe zu nehmen. Ich bin der Bischof von St. Marien – und schaue mehr nach innen als nach außen. Ja, ich wirke ein wenig angewurzelt. In der Tat bin ich das auch, denn ich bestehe aus einem Stück Eichenstamm. Und das stammt aus der Prignitz. Es wurde hier solange bearbeitet bis ich fertig war. Und jetzt stehe ich hier vor Ihnen: 1,91 hoch, 60 Zentimeter breit – aus einem Stück Eichenst... sagte ich das bereits? Naja - von innen bin ich hohl und auch schon über 700 Jahre alt. Aber ich habe spannende Details: Betrachten Sie doch einmal meinen Hut – diese kleine, kurze Mietra. Sehen Sie die kleinen Locken, die unter ihr hervorstehen? Für die damalige Zeit sehr typisch und modisch. Betrachten Sie auch meinen Hirtenstab in meiner rechten Hand – den halte ich geradezu lässig. Und fassen Sie das Buch ins Auge, welches in meiner linken Hand ruht. Raten Sie doch einmal, was das für ein Buch ist. Das wissen Sie nicht? Nun, ich auch nicht. Aber haben Sie einmal meinen Handschuh gesehen? Den habe ich von einer Pilgerfahrt mitgebracht. Wohin die ging, das weiß ich nun wirklich nicht mehr. Ich bin schließlich hohl von hinten.
Wussten Sie, dass diese Kirche nicht immer St. Marien hieß? Hab ich mich überhaupt vorgestellt? Mein Name ist Martin von Tours und ich bin der Hauptpatron dieses Bischofssitzes. Deshalb hieß die Kirche auch Martinskirche bis dieser kleine Eislebener Mönch daherkam und meinte, nur weil er genauso heißt, müsse er hier mal ordentlich auf den Busch klopfen. Um nun jedwede Verwechslung und fälschliche Huldigung zu verhindern, hat einer meiner sehr weisen Nachfolger – der letzte katholische Bischof – die Kirche in St. Marien umbenannt. Wobei ja hoffentlich jeder sieht, dass ich nicht Maria, die Mutter Gottes bin.
Na dann, ich will Sie nicht weiter aufhalten. Sie scheinen gehen zu wollen. Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an den zuständigen Amtsinhaber. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag und einen schönen Aufenthalt in der Stadt Wittstock. Auf Wiedersehen!