der thronende Christus/Spiegel-Triptychon

Meditativer Text

Ich begebe mich quer durch das Schiff auf das Spiegel-Tryptichon zu, bleibe stehen und höre die folgende Meditation.
Ich bin mitten unter den Menschen. Sie respektieren und akzeptieren mich. Ich habe keine Angst vor ihnen, denn sie verurteilen mich nicht. Die Menschen beschützen mich, helfen mir. Es gibt auch Menschen, die mich nicht verstehen und manche respektieren die Menschen um mich herum nicht. Warum? Sie haben Angst und fühlen sich in eine Ecke gedrängt. Sie verstehen etwas nicht und davor fürchten sie sich. Sie kämpfen mit meinem Verstand und schauen mich mit tödlichen Blicken an. Die Menschen sind aber nicht böse und ich weiß das. Ich habe eine Macht, eine unvorstellbare Macht. Sie ängstigt andere, aber das will ich nicht. Ich fürchte meine eigene Macht und das ist traurig. Ich möchte sie teilen und Leben geben, anstatt Leben zu nehmen. Es gelingt und ich helfe den Menschen, aber sie erkennen mich nicht an. Das zerrüttet mich.
Ich bin mitten unter den Menschen. Sie sehen mich mit Skepsis und Kritik an. Ich kann das nicht mehr. Ich brauche eine Pause. Ich will nicht mehr. Doch, ist das richtig? Soll ich die Menschen um mich herum, die mich anschauen, einfach hassen und verdrängen aus meinen Kopf? Sie brauchen Hilfe, aber fragen mich nicht darum. Ich kann ihnen nicht helfen, wenn sie meine Hilfe nicht annehmen. Sie ¬sind zu feige und engstirnig. Die Menschen sind egoistisch und unglaublich naiv. Ich hasse die Menschen. Ich hasse sie. Die Menschen müssen verschwinden – ein für alle Mal.
Was sag ich da?     Ich bin nicht mehr unter ihnen. Ich bin allein, über ihnen.
Ich erkenne mich selbst nicht. Was habe ich getan? Ich habe alles weggestoßen und verletzt. Sie werden mir nie verzeihen. Denn sie sind arrogant, faul und widerlich. Sind wir Menschen wirklich so wichtig? Die Menschen um mich herum schauen mich nicht mehr an, sondern verachten mich nur noch. Ich bin aber nicht so! Ich bin anders! Ich helfe den Menschen. Ich bin unter ihnen.
Zusammen verändern wir uns und wachsen immer mehr zusammen. Wir sind kein Klumpen Elend. Selbst wenn sie unterschiedlich sind, wird keiner verurteilt.
Ich bin mitten unter den Menschen. Ich halte ihre Hände und sie akzeptieren meine Hilfe. Die Menschen erkennen mich an. Jetzt verstehe ich sie besser. Denn sie sind nicht mit den Rücken zu mir gedreht. Sie stehen vor mir und ich sehe ihre Gesichter. Viele Tränen fließen über meine Wangen herunter. Ich bin nicht traurig. Meine Gefühle würde ich eher als Glück bezeichnen. Meine Füße können nicht mehr. Sie geben nach und ich setze mich auf einen Stein. Er ist kalt und kratzig. Doch die Menschen um mich herum helfen mir und geben mir Kraft. Sie nehmen meine Hand und helfen mir auf. Ich habe Macht, aber nur durch diese Menschen besitze ich sie auch. Die Menschen geben die Macht und die Kraft. Durch sie kann ich leben – voll, ganz und ewig leben.