Leserbrief

„side by side“ mit der Sängerin Sabine Ranft und dem Gitarristen Jerry Gordon am 6. Juni in der Kirche zu Dranse.

Bewegend war es, das gut besuchte Konzert des Duos.
Hier geht es um Musik und was sie bewirken kann.
Das Programm der Beiden entstand aus ihrer Leidenschaft für die Songs der 60er und ist eine Mixtur ihrer Lieblingslieder.
„Sie seien zusammen gebracht worden“, so die beiden. Und als sie dann fest-stellten, dass sie beide Rory Gallager mögen, war es um das Duo geschehen.

Mit Ruhe begrüßen und beginnen die Beiden das Konzert, „bring it back, bring it back...“, singt Sabine Ranft, „come to my sweet melodie“, und Jerry Gordon „smoothy“ dazu begleitet, überraschende kleine Zwischenmelodien einfügt, die immer anders zu sein scheinen und meine Aufmerksamkeit in den Bann ziehen.
Die beiden schaffen eine entspannte und klare Atmosphäre, die wohltuend ist.

Ich höre mehr und mehr. Jerry baut zunehmend in vielseitigen Melodievarianten eine fast alarmierende Spannung auf, die sich in Sabines schönem Gesang, den Poems und der akustischen Atmosphäre der Kirche komprimieren. Meine Aufmerksamkeit ist so erhöht und ich sitze, trotz dieser Kirchenbänke, gut und schwinge und schwinge mit.

Trotz meines schlechten Englisch kann ich Textfragmente einer Zeit aufschnappen, die sich jetzt zu wiederholen scheint.
„..die 60er“, sagt Sabine, „da gab es mich noch gar nicht“, Jerry grinst.
„Es ist wichtig, gute Freunde zu haben“, sagt Sabine und schon sind sie im nächsten Song. Es braucht nicht viele Worte und Erklärungen, alles erklärt sich aus den Melodien, die ich wieder erkenne, den Pickings, Streichern, einer authentischen Stimme im Jetzt.

Beide strahlen Nähe aus, die sie mit uns teilen. Hier geht es um Leben, ganz Elementar, was uns die Musikahnen schon in den 60ern sagen wollten. Es geht immer noch um dieselben tiefgreifenden Fragen: wie wollen wir wirklich leben? Und was brauchen wir wirklich?
Und natürlich denke ich an diese Zeit, in die ich geboren wurde. Vietnam, Hiroshima, Bürgerkriege auf allen Kontinenten, der kalte Krieg, Leben mit der Mauer, Rudi Dutschke, das Aufbegehren der Student*innen.....
Und es ist alles so hoch aktuell, was ich an Wortfetzen verstehe, mir die Harmonien erzählen.„Dust in the wind“, „Jimmy, won't you please come home“, „the profit song“.....

Und dann fährt Jerry „seine Krallen aus“. Auch Songs der 90er folgen.
Weiche Intros, reizende Pickings, mit Herz und Ernsthaftigkeit jazzen sie an der Stimmvielfalt und dem Seitenspiel, auch 12seitig. Die Technik macht kleine differente Sounds möglich, überraschende Absätze. Versetzte Zupfer an den Seiten, Sabine harrt aus, dann gemeinsamer Einsatz.

Ich folge einfach nur dieser musikalischen Glanzstunde und weiß, hier kann ich nicht verletzt werden, hier herrscht jetzt einfach mal für eine Stunde Frieden und wir schauen trotzdem auch auf den Schmerz.
„yes I know“, höre ich Sabine singen und blicke auf die Pracht der Pfingstrosen vor mir im Taufbecken, „wenn du am Boden bist....rufe nur meinen Namen“, schreibt Carole King in einem Song.
Ich blicke nach oben und bin doch angenehm überrascht. Denn da geschrieben steht: „Nehmet das Wort mit Sanftmuth, das in euch gepflanzt ist, welches kann eure Seelen selig machen“.
Und dem kann ich auch als Nichtchristin folgen.

Herzlichen Dank für diesen schönen Nachmittag an die Engagierten des Kirchförderverein Dranse und vor allem an dieses empfehlenswerte Musik Duo „side by side“

verantwortliche Schreiberin Chady Seubert