Wochenandachten aus dem Kirchenkreis

Andacht vom 20.09.2026

Das Da-sein für andere

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihr Leben riskieren, um anderen zu helfen. In einer extremen Notsituation zu helfen, ist zwar allen aufgegeben – aber für die meisten von uns kommt das doch selten vor. Anders bei Blaulichtberufen, in Krankenhäusern, in der Pflege… Hier ist Not alltäglich, und Hilfe auch.

Als Gesellschaft müssen wir hinter denen stehen, die immer für uns da sind – ungeachtet der Person, die in Not gerät, und unabhängig davon, wie sie in die Notlage geraten ist.

Aber mir geht es nicht nur um Solidarität. Mir geht es um die Frage: Was bewegt uns, für andere da zu sein? Denn Nächstenliebe ist ja nicht auf die größte Not beschränkt; sie entsteht und wächst viel früher, im Alltag. Nur, wo sie im Alltag selbstverständlich ist, zur Kultur gehört, können überhaupt Institutionen entstehen, in denen Menschen ehrenamtlich oder beruflich zu Helferinnen und Helfern werden.

Religion kann eine Motivation sein, für andere da zu sein: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, heißt es in der Bibel. Aber es gibt noch viele andere Motivationen. Wenn ich Jugendliche frage, warum sie ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, bekomme ich auch Antworten, die gar nichts mit dem Nächsten zu tun haben: Junge Leute suchen Orientierung, neue Erfahrungen und Kompetenzen, etwas Besonderes im Lebenslauf. Auch Ehrenamtliche in Feuerwehr, Diakonie oder Kirche denken auch an sich: Sie suchen Gleichgesinnte, Selbstwirksamkeit, Anerkennung – oder manchmal schlicht Beschäftigung.

Wenn einem Menschen geholfen wird, wenn Gemeinschaften gestärkt werden, kommt es nicht auf die Motivation an. Es wäre falsch, nur solches Engagement anzuerkennen, das uneigennützig wäre. Überhaupt: Kann es das geben? Selbst Menschen mit einem ausgeprägten „Helfersyndrom“, die ihre eigenen Bedürfnisse bis zur Selbstvernachlässigung hintanstellen, ziehen wohl eine Befriedigung aus ihrer Tätigkeit.

Wichtig ist doch aber, dass wir diese Kultur pflegen, in der es einen hohen Wert hat, zu helfen, für andere da zu sein. Ich bin überzeugt: Nur eine solche Gesellschaft ist wirklich lebenswert – und nicht nur, weil ich einmal selbst derjenige sein kann, der darauf angewiesen ist.

Vielleicht sollten wir uns öfter an den Pfadfindern orientieren: Wenigstens eine gute Tat am Tag. Damit sind wir auf einem guten Weg!

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen,
Ihr Pfarrer Dr. Patrick Roger Schnabel

  • Andacht vom 13.09.2026 - „Tag des offenen Denkmals“

    Andacht vom 13.09.2026 - „Tag des offenen Denkmals“

    Liebe Leserinnen und Leser,
    morgen ist „Tag des offenen Denkmals“. Das Wort ist aussagekräftig. Martin Luther war es, der zum ersten Mal das Wort „Denkmal“ verwandte, im Sinne von „Gedächtnisstütze“. Es ist eine Aufforderung: Halt inne, denk mal nach. Vergiss nicht, was es dir bedeutet, was es dir sagen will – das Denkmal. 
    Unsere St. Marienkirche in Wittstock ist morgen auch wieder geöffnet, wie jeden Tag zwischen 1.Mai und 31.Oktober, und das schon seit vielen Jahren. Ich kann mir denken, wie so mancher bei einem Besuch in diesem Gotteshaus innehält und sich erinnert. 
    Und das ist mehr als Bewunderung eines denkmalgeschützten Gebäudes. Das ist Geschichte, lebendige Geschichte: Kindheit, Jugend, Reife des Lebens, Alter. Das ist Weihnachten unter den großen Bäumen. Das ist Ostern, Grund unserer Hoffnung. Das ist Pfingsten, Fest der Gemeinde. Das ist Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen. Das ist unsere Kantorei. Das ist unser Posaunenchor. Zentrum, auch des kulturellen Lebens. 
    Und unüberhörbar der Klang ihrer Glocken. Wie Wächter, wie in Bronze gegossene Botschafter mischen sie sich ein, unterbrechen die Gleichförmigkeit unseres Lebens, rufen uns zu: halt inne, bedenke deine Zeit, nimm wahr, wie sie vergeht. Höre auf den, der dem Leben Sinn und dem Treiben Orientierung und der Welt Heil und Leben bringen will. 
    Ja, wir brauchen diese besonderen Orte, unsere Kirchen. Vielleicht mehr denn je, wo wir zur Ruhe kommen, wo wir still werden, hören, beten, singen können. Sie sind Oasen auf unserem Weg. Oft genug auf Wüstenwanderungen durch die. Zeit. Wer einmal in die Gästebücher schaut, die in großen Kirchen ausliegen, ist bewegt von den Gefühlen, die Menschen beim Besuch des Kirchenraumes empfinden. “Als Verzweifelter bin ich rein gekommen, als Befreiter verlasse ich sie“, so stand es auf einer der Buchseiten. Und die vielen Kerzen, die da entzündet werden, sprechen ihre eigene Sprache. Jede Kerze ein Gebet. Ausdruck von Dank und Bitte, Klage und Lob.

    Ich wünsche Ihnen morgen einen gesegneten Sonntag am Tag des offenen Denkmals. Vielleicht besuchen Sie ja eine der offenen Kirchen, es lohnt sich.
    Bleiben Sie behütet!
    Pfarrer Hans-Christoph Schütt,
    Ev. GKG Wittstock. 

  • Andacht vom 06.09.2026 - Ein Wechselspiel der Gefühle

    Andacht vom 06.09.2026 - Ein Wechselspiel der Gefühle

    Als Jugendliche sammelte ich Texte. Kleine Schnipsel aus Kalenderblättern oder Glückskeksen, säuberlich aufgeklebt. Die besonderen trug ich im Portemonnaie mit mir herum.
    Dazu gehörte ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, dass ich das ganze Jahr vergesse. Doch sobald die Abende früher dunkel werden und nachts ein Hauch Kühle in der Luft liegt – so wie jetzt, Anfang September, wenn der Sommer sich langsam verabschiedet, auch wenn der Herbst noch gar nicht offiziell begonnen hat –, kommt es mir wieder in den Kopf:

    „Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
    als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
    sie fallen mit verneinender Gebärde.
    Und in den Nächten fällt die schwere
    Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit.
    Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
    Und sieh dir andre an: es ist in allen.
    Und doch ist Einer, welcher dieses
    Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“

    Wir stecken mitten in diesem Übergang: zwischen den hellen Sommertagen, die gerade zu Ende gehen, und der Vorfreude auf die Feiertage, die noch in weiter Ferne liegen. In den Supermärkten füllen manche schon Lebkuchen ins Regal, während die Wochen dazwischen für viele stillzustehen scheinen.
    Für mich ist der Herbst ein Wechselspiel der Gefühle. Einerseits liebe ich die bunten Blätter, den klaren Himmel und gemütliche Momente zu Hause – Wollsocken an, heißer Tee. Es ist die Zeit der Ernte, in der ich die Früchte meiner Gartenarbeit genießen kann. Andererseits bringt er Dunkelheit und Kälte mit sich, für viele eine Herausforderung – auch seelisch.
    Gerade dieser Wandel lädt zur Besinnung ein. Die Natur legt bald eine Ruhepause ein. Genauso kann ich zurückblicken: Was habe ich erreicht, was „geerntet“? Welche Begegnungen haben mein Leben zuletzt bereichert?
    Vielleicht geht es nicht darum, mehr zu tun, sondern manchmal darum, weniger zu tun – bewusster zu leben und loszulassen, was belastet. Was ist es wert, bewahrt zu werden, was kann weichen?
    Wie die Blätter, die zu Boden fallen und Grundlage für neues Leben bereiten, ist der Herbst kein Ende, sondern Anfang eines neuen Zyklus. Wenn die Tage kürzer werden, hole ich die Kerzen aus der Kiste und stelle sie auf den Tisch – ein trotziges Zeichen der Hoffnung, dass auf dunkle Zeit wieder eine hellere folgt. Als Jugendliche war mir das nicht bewusst. Schöner, wenn mich heute eine Kleinigkeit daran erinnert.

    Pfarrerin i.E. Anna Ferrario
    Ev. Gesamtkirchengemeinde Ruppin & SegensReich

  • Andacht vom 30.08.2026 - Kiek moal! De Heid blöht.

    Andacht vom 30.08.2026 - Kiek moal! De Heid blöht.

    Hemm Sei sik dat Farwenspektåkel irgendwann all eis ankäken? Odder sünd Sei dit Johr all dorhenn ruterführt? De Heid blöht! Klor, Sei könn nå de Lünenburger Heid hennführn un sik dor dat vigelett (violette) Farwenmeer ankieken un wat dor Johr för Johr blöhen deit (wenn nich alls dörch den Wåtermangel fix verdröcht is).
    Un ok hier bi uns is dat wunnerbor – un midden in dat Hart von unsern Landkreis Ostprignitz-Ruppin. So wiet, as dat Ooch kieken kann, lücht dat in den Juli- un Austmåånd - indrucksvull vigelett - un dat alls bi uns un vör de Husdör in uns Kyritz-Ruppiner Heid.
    Un wat hier alls wassen und krupen deit… So is de schwatte Kuckucksköster (Wiedehopf) hier unnerwägens un ok dei rode Röhrenspenn läwt hier. Dat is tau´n Wunnerwarken (zum Staunen).

    Doch dat wier nich ümmer so: De Kyritz-Ruppiner Heid hett ne bewächte Geschicht: Bet 1993 wier hier dat „Bombodrom“. 140 Quadratkilomerters wier hier de grote Bereik, wo sowjetische Soldåten œwer Johrzehnte un œwerall mit Panzers rümmerführt sünd. Sei hemm dor lihrt, Bomben aftauschmieten. Wo gaut, dat dei Protestaktschion: „Freie Heid“ mit so väle Minschen nå lange 16 lange Johrn erreicht hett, dat Waffen un Soldaten hier nix mihr tau melln hemm salln.

    De gräsigen Tieden sünd vörbi. Doch siet Johrzehnten (!) lågert unner dei Ierd noch Munitschion. All dat rust in dei Ierd vör sik henn odder is sülwst nå Johrzehnten noch „scharp“. Noch ümmer is 2026 nich alls frigäben, dat wi dörch de Landschaft ströpen könn´n, so as wi gåhn willn. Bebugen un bewohrn, dat is un blifft för uns Minschen de Updrach, de uns von Gott gäben is. Denn œwerall un ümmer, wo Krieg is, ward ne gaude Läbensgägend in ein Sekunn tau ein Sperrgägend för väle Johrzehnte. Denn dat Läben för Planten, Diere un Minschen is dörch Munitschion von nu up glieks in Gefohr.

    Wo gaut, dei gräsige Tiet is hier in de Kyritz-Ruppiner Heid vörbi. De Natur kann verpusten un sik mit de Tiet anners tröchhålen, wat all ümmer ehr wier.
    Wi Minschen können mithelpen, dat dat so blifft. Un dat salln wi ok daun.
    Un nu stell di eis ganz still henn un hüür tau: dat is as röppt jedein von dei Bläumings von dat Heidekrut di tau: Kåm ranner nå mi: kiek di an, wo schön ik hier wassen dau un bün.

    Ute Eisenack, Pastersche in Rhinsberch