Storbecker Kirche
Storbeck wurde ab 1691 durch Schweizer Familien neu besiedelt. Die Schweizer wie die Brandenburger waren reformierten Glaubens. Die Ansiedlung wurde vom Staat stark gefördert. Für den Bau von Gotteshäusern in den Kolonisten Dörfern reichte das Geld meist nicht mehr.
Der Schweizer Prediger Herkules Delliker aus Lindow nutzte seine guten Kontakte zur alten Heimat, um sich für eine gesamteidgenössische Kollekte einzusetzen. Aus deren Erlös sollte die Finanzierung der Schweizer Kirchen in Brandenburg bestritten werden. In Storbeck war 1700 Baubeginn der Kirche. Sie wurde als barocker Fachwerkbau mit zwölfeckigem Grundriss ausgeführt. Fehlende Gelder führten dazu, dass sie erst 1707 geweiht werden konnte, und dass Abstriche an der Bauqualität gemacht wurden.
Schon 1736 wurde der 19 Meter hohe Turm erstmals mit Brettern verkleidet, 1752 erhielt die Turmkuppel ein neue Deckung, 1794 erfolgte eine Hauptreparatur des Ganzen Gebäudes. Im 19. Jahrhundert. Drohte der kleinen Kirche das Schicksal, nach der Bestandsaufnahmen von weiteren Schäden ihren Turm zu verlieren. Ein Neubau wurde verworfen. „Ein Dorf ohne Turm ist kein Dorf“ stand für die Bauern fest. Nach Einlenken des Kreisbaumeisters wurde der Turm repariert, dabei um gut 2 m gekürzt und mit einem viereckigen Pyramidendach gedeckt.
1892 erhielt das Gotteshaus eine HOLLENBACH-Orgel, 1921 wurde das Innere durch den Berliner Kirchenmaler SANDFORT farbig gestaltet und 1926 die Sakristei an der Ostseite neu gebaut. Altar, Kanzel und Gestühl sind aus der Entstehungszeit erhalten. Die Storbecker Kirche ist neben dem Gotteshaus in Linow noch das einzige bauliche Zeugnis der Schweizerkirchen im Ruppiner Land, und als solches im hohen Maße schützenwert.
Auch nach der Wende hatte die Storbecker Kirchengemeinde mit großen baulichen Problemen in ihrer Dorfkirche zu kämpfen. Der Tiefpunkt wurde 1996 mit der baupolizeilichen Schließung wegen gravierenden Schäden erreicht. Der Ortsgemeindekirchenrat beschritt mit ihrem damaligen, sehr engagierten Pfarrer Helmut Gröpler, ungewöhnliche Wege auf der Suche nach finanziellen Mitteln für die Restaurierung. Neben der Bereitstellung von Fördermitteln flossen auch Spendengelder in beträchtlicher Höhe.
Die Storbecker selbst haben 7000 Mark für ihre Kirche gesammelt. Der Schweizer Gesandte in Berlin, Dr. Paul Widmer, erklärte sich 1997 bereit, Schweizer Firmen um finanzielle Unterstützung zu bitten – und das mit Erfolg. 50 000 Mark kamen bei dieser Aktion zusammen. So konnten die dringend notwendige Turmreparatur, die Erneuerung von Dach und den Wänden mit ihren Ständern und Schwellen, einschließlich Einbau neuer Fenster, durchgeführt werden. Am Reformationstag 1999 wurde die komplett restaurierte Kirche erneut geweiht. Seit Sommer 2000 erfreut auch die restaurierte Hollenbach – Orgel seine Hörer mit neuem Klang.
Das 2010 durch Blitzschlag zerstörte Uhrwerk im Kirchturm wurde im Jahr 2013 mit Hilfe der Spenden vieler Storbecker repariert.
Textliche Zusammenstellung und Foto: Martin Birke
Quelle: OPR-Jahrbuch 2009, Schweizerkirchen im Rupiner Land, Peter Schmidt