Treskower Kirche

Seit jeher wird sie von den Treskowern und auch in den Unterlagen das „Kirchlein“ genannt. Und das ist sie auch. Versteckt steht sie am Ende des alten Friedhofs südlich der Erich-Dieckhoff-Straße. Das Dorf ist schon seit 1395 in die Stadt Neuruppin eingekircht. Gottesdienste fanden u. a. im Gutshaus statt. Nach der Zwangsversteigerung des Gutes wurde das 3800 Morgen große Gelände 1932/33 zu einer Siedlergemeinde mit 70 Neubauerngehöften aufgebaut. Die Siedlerfamilien stammten aus der Mark Brandenburg, aber auch aus Mecklenburg, Thüringen, Westfalen und Württemberg und gehörten mehrheitlich der evangelischen Konfession an. Die Nachfrage nach einem eigenen Gotteshaus war groß.

Nachdem die finanziellen Mittel vom Neuruppiner Kirchengemeinderat freigegeben waren, konnte im Herbst 1934 mit dem Bau begonnen werden. 

Auch ein neuer Friedhof mit kleiner Leichenhalle wurde westlich der Chaussee in der Keglitz angelegt. Nach Entwürfen von Architekt LÖSER wurde die Kirche unter Leitung von Baumeister MUSCHE als einschiffiger Putzbau mit Spitzbogenfenstern errichtet. Ein breites Spitzbogenportal mit Klinkereinfassung und einzelne, in die Wand eingelassene Feldsteinfelder bestimmen die äußere Fassade. Die Gemeinde stiftete die bronzene Kirchenglocke. Sie konnte aber nicht im hölzernen Dachreiter über dem First der Kirche aufgehängt werden, weil durch ein Versehen des Architekten der Glockenstuhl im Turm zu leicht gebaut war. So wurde neben der Kirche ein hölzerner, freistehender Glockenträger errichtet. Am 29.September 1935 wurde das neue Gotteshaus von Pfarrer BITTKAU geweiht.

Das tonnengewölbte Innere ist für 200 Besucher ausgelegt und besticht durch seine schlichte Ausstattung. Bemerkenswert ist das fast in Lebensgröße gehaltene Ölgemälde „Christus erscheint einer Landfrau“, gemalt und gestiftet von Kunstmaler WILLY ZIRGES aus Berlin. Nach dem Krieg fungierte die Kirche 3 Jahre als Schule für 150 Kinder. 1950 wurde die Empore durch Einsetzen großer Glasfenster so umgebaut, dass sie als zusätzlicher Gemeinderaum genutzt werden konnte. In den sechziger Jahren fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt. Dabei wurden auch der Altar mit Kreuz und Leuchtern und das Taufbecken erneuert.

Frau GISELA HEYNER-ZEHNER übernahm die Neugestaltung des Chorfensters mit farbiger Bleiverglasung. Als Motiv wählte sie AGNUS DEI, das Lamm Gottes. Mit den Reparaturarbeiten am Dach konnte nun auch die Kirchenglocke im Dachreiter aufgehängt werden. Zum 50. Jubiläum 1985 wurden unter großem Einsatz vieler Gemeindemitglieder weitere Reparatur- und Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Die Kirche ist ein seltenes und weitgehend unverändert erhaltenes Beispiel des Kirchenbaus der dreißiger Jahre in der Region.

Textliche Zusammenstellung und Foto: Martin Birke (Quelle: Denkmale in Brandenburg, Stadt Neuruppin, Dokumentensammlung der Treskower Gemeinde)